Es war noch nie so schwierig wie in diesem Jahr, einen Zeitraum für die diesjährige Konzertreise zu finden. Als der Termin endlich feststand, ahnte niemand, dass nach zunächst hochsommerlichen Temperaturen Anfang Mai, die Eisheiligen mit so großer Wucht zuschlagen würden.
Drei der vier geplanten Auftritte in der wunderschönen Thüringischen Landeshauptstadt Erfurt waren im Freien. Gleich am Ankunftstag, Montag, dem 11. Mai, wurde die gesamte Band-Ausrüstung auf Transportwagen gepackt und in die Erfurter Fußgängerzone zum ersten Auftritt gebracht. Zwei Pavillons boten ein wenig Regenschutz. Direkt vor der Kunsthalle auf dem Fischmarkt klang das Ensemble in klassischer Big-Band-Besetzung unter der Leitung von Thomas Kalmbach ganz hervorragend. Zusätzlich reflektierten die umliegenden Gebäude den Klang, so dass der gesamte Platz beschallt wurde. Sehr viele Menschen, eingehüllt in Winterjacken und mit Mützen, hörten über längere Zeit interessiert und begeistert zu. Von vielen kam spontanes überschwängliches Lob für die toll gespielten Stücke und das stilistisch vielfältige Programm. Titel wie „Street Life“, „Gonna fly now“, „Everybody needs somebody to love“, „Sing, Sing, Sing“ heizten dem Publikum regelrecht ein. Die Spielfreude, die musikalische Qualität der BigBand war bei jedem Ton hörbar. Soli der Band-Mitglieder – im Fachjargon „Chorusse“ – beeindruckten die teilweise sehr fachkundigen Zuhörer. Auch die Sängerin verzauberte den ganzen Platz bei „Halleluja, I love him so“. „Wann spielt ihr wieder?“ war eine häufig gestellte Frage.

Am Dienstag war es noch kälter und ungemütlicher, die Otto-Hahn-BigBand spielte auf dem Anger, ebenfalls ein Teil der Fußgängerzone. Die Publikumsreaktionen waren ähnlich positiv und motivierten die Spielerinnen und Spieler, trotz blaugefrorener Finger, weiterzuspielen.
Im Anschluss fuhr die Band zur Wartburg, allerdings musste das Konzert vor der Burg wegen Starkregens und Windböen ausfallen. Das Ensemble wurde durch eine pädagogisch hervorragend aufbereitete Führung von einem sachkundigen und humorvollen Guide für das ausgefallene Konzert entschädigt.
Am Abreisetag, dem Mittwoch, 13. Mai, wurde die ganze Gruppe von einem ehemaligen Orchestermusiker und Musikschullehrer durch die Erfurter Altstadt geführt. Man hat gesehen, was eine Furt ist – daher stammt der Name der Stadt – und man hat gelernt, dass Erfurt am Schnittpunkt zweier Handelsstraßen des Mittelalters lag, der Via Regia und der Völkerstraße und durch Zölle zu unheimlichem Reichtum kam. Zusätzlich erfuhr man, dass alle Vorfahren von J. S. Bach aus Erfurt kamen.
Unmittelbar vor der Heimreise gab es den lang ersehnten Indoor-Auftritt im Kulturcafé Nerly, in dem sonst auch Jazz Stars aus ganz Europa auftreten. Das Publikum zog mit und die Stimmung im Saal und bei den Spielern war super.

Die Konzertreise war für alle Beteiligten wahrlich kein Urlaub, sondern konzentrierte Teamarbeit. Der Zusammenhalt der Bandmitglieder von Klasse 8 bis 12 wurde erheblich gestärkt. Man achtete aufeinander und half sich gegenseitig. Ein echter Glücksfall war auch zweite Begleitperson, Yasmine Moala, Kollegin am OHG. Sie wusste in jedem Moment, was zu tun war und ergriff Eigeninitiative, wenn es nötig war.
Die Reise endete erst lange nach Mitternacht in Nagold. Gemeinschaftlich wurde in Windeseile ausgeladen. Die Konzert-Tour wird allen Beteiligten sicher noch sehr lange im Gedächtnis bleiben.
Text: KA
Foto: Moa